Selbst­ver­ständ­nis

Die Fach­schaft

Wir sind die Fach­schaft der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fächer der Phi­lo­so­phi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Han­no­ver. Die Fach­schaft wird durch alle Stu­die­ren­den einer Fakul­tät gebil­det und kann sich nach eige­nem Ermes­sen in Fach­schaf­ten und Fach­grup­pen auf­tei­len. Die (aktive) Fach­schaft trifft sich in der Vor­le­sungs­zeit wöchent­lich zu den offe­nen Fach­schafts­sit­zun­gen, an denen jeder Stu­die­rende teil­neh­men kann – die aktu­el­len Ter­mine erfahrt ihr auf unse­rer Web­site. Gewählte und nicht gewählte Mit­glie­der haben glei­che Rechte. Inso­fern ent­spre­chen Fachschafts(rats)sitzungen dem basis­de­mo­kra­ti­schen Prin­zip nach Fachschafts-Vollversammlungen. Unsere wesent­li­chen Auf­ga­ben sind: die Bera­tung von Stu­die­ren­den, die jeweils zu Beginn des Win­ter­se­mes­ters statt­fin­dende Ein­füh­rungs­wo­che, die Beset­zung der ver­schie­de­nen Gre­mien, wie dem Stu­den­ti­schen Rat, der Stu­di­en­kom­mis­sion, den Insti­tuts­kon­fe­ren­zen, um dort die Inter­es­sen der Stu­die­ren­den­schaft zu ver­tre­ten. Die Fach­schaft ver­steht sich als basis­de­mo­kra­tisch. Die Basis meint hier alle Stu­die­ren­den der Uni­ver­si­tät Han­no­ver, orga­ni­siert in Fach­schaf­ten bzw. –grup­pen. Sie ver­tritt mit einem impe­ra­ti­ven Man­dat die von der Basis getrof­fe­nen Beschlüsse, wel­che wie­derum in den offe­nen Sit­zun­gen erzielt wer­den. Abstim­mun­gen sind hier­bei nicht das Mit­tel der Mei­nungs­fin­dung, statt­des­sen soll Kon­sens durch Aus­tausch und Dis­kus­sion erreicht wer­den.
Die akti­ven Fachschafter_innen sind der Basis rechen­schafts­pflich­tig und tra­gen die Ergeb­nisse ihrer Arbeit nach außen, um somit not­wen­dige Trans­pa­renz her­zu­stel­len. Dies geschieht durch Aus­hänge und Bekannt­ma­chun­gen am Fach­schafts­brett, unsere Web­site und unse­ren Mail­ver­tei­ler. Natür­lich sind alle Ord­ner in Raum V 109, dem Fach­schafts– oder Peter Brück­ner Raum frei ein­zu­se­hen, aber den­noch soll es jedem mög­lich sein, schon im Vor­bei­ge­hen einen klei­nen Ein­blick gewin­nen zu kön­nen. Wich­tig ist es, wei­tere Stu­die­rende für die aktive Mit­ar­beit zu gewin­nen. Es geht dabei nicht darum, gleich die gesamte hoch­schul­po­li­ti­sche Land­schaft zu durch­schauen oder sich mög­lichst viel Arbeit auf­zu­hal­sen. Ein­mal unver­bind­lich auf einer Sit­zung vor­bei­zu­schauen ist jeder­zeit mög­lich, um sich so ein genaue­res Bild zu machen. Und je mehr sich betei­li­gen, desto weni­ger Arbeit ist es für jede_n einzelne_n; und desto mehr kön­nen wir bewe­gen. Wir sehen uns dar­über hin­aus als poli­ti­sche Fach­schaft die auch außer­halb der Hoch­schul­po­li­tik agiert. Daher wol­len wir im fol­gen­den unsere Stand­punkte darstellen.

Sexis­mus

Die Fach­schaft kri­ti­siert die Redu­zie­rung auf das Zwei-Geschlechter-Modell und die Zuschrei­bung von Ein­stel­lung und Eigen­schaf­ten. Wir wol­len nicht anhand eines zuge­wie­se­nen Geschlechts mit Kli­schees und Ste­reo­ty­pen cha­rak­te­ri­siert wer­den und weh­ren uns gegen sol­che Vor­ver­ur­tei­lung und Beur­tei­lun­gen von Per­so­nen danach, wie adäquat sie in Geschlech­ter­rol­len pas­sen. Wir spre­chen uns gegen Hete­ro­se­xua­li­tät und Zwei­ge­schlecht­lich­keit als Norm aus, wel­che andere Lebens­wei­sen unsicht­bar macht und ver­ur­tei­len jeg­li­che Form von Homo­pho­bie. Da wir uns, ebenso wenig wie jede_r andere, nicht die­sen Kate­go­ri­sie­run­gen ent­zie­hen kön­nen, wol­len wir daher ein dis­kri­mi­nie­rungs­freies Mit­ein­an­der und Stu­die­ren an der Hoch­schule, in wel­cher nie­mand auf­grund sei­ner Lebens­weise oder sei­nes Geschlechts benach­tei­ligt wird. Wir for­dern daher eine glei­che Betei­li­gungs­mög­lich­keit für Frauen an For­schung, Lehre und Hoch­schul­po­li­tik und weh­ren uns gegen struk­tu­relle Benach­tei­li­gung von Frauen in der Uni und anderswo. In die­sem Zusam­men­hang bedau­ert und ver­ur­teilt die Fach­schaft die Abschaf­fung der Gen­der Stu­dies am Insti­tut für Sozio­lo­gie in Han­no­ver. Wir erach­ten diese für Stu­die­rende sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Fächer als grund­le­gend, um ein Ver­ständ­nis von Gesell­schaft und sozia­lem Mit­ein­an­der zu erlan­gen. Wir kri­ti­sie­ren, dass uns die Mög­lich­keit der inten­si­ven und fokus­sier­ten Aus­ein­an­der­set­zung mit Gen­der Studies-Themen genom­men wurde. Wir befürch­ten ohne die­sen Schwer­punkt eine Abnahme die­ser Stu­di­en­in­halte und sehen uns in die­ser Befürch­tung durch das Ange­bot der Uni Ver­an­stal­tun­gen bestä­tigt. Wir stim­men der Auf­fas­sung, dass in vie­len Berei­chen Geschlech­ter­as­pekte berück­sich­tigt wer­den soll­ten, zwar zu, glau­ben aber, dass Geschlecht ohne eige­nen Schwer­punkt ledig­lich zu einer Varia­ble unter vie­len, wenn über­haupt beach­tet, wird, statt die Auf­merk­sam­keit zu bekom­men, die die Rele­vanz des The­mas erfor­dert und die qua­li­fi­zier­ten Dozie­ren­den, die es braucht. Wir for­dern daher eine Wie­der­ein­füh­rung der Gen­der Stu­dies und Ver­an­ke­rung in den Studiengängen.

Ras­sis­mus

Ras­sis­ti­sche Posi­tio­nen exis­tie­ren in die­ser Gesell­schaft kei­nes­wegs nur am poli­ti­schen rech­ten Rand, son­dern sind bis weit in die Mitte der Gesell­schaft ver­tre­ten. Dass dies an Uni­ver­si­tä­ten, ange­sichts von Stu­die­ren­den­aus­tausch­pro­gram­men, anders sei ist ein Trug­schluss. Nur weil man sel­ten von ras­sis­ti­scher Aus­gren­zung oder gar Überg­rif­fen an der Uni­ver­si­tät erfährt, heißt dies kei­nes­wegs dass es nicht pas­siert. Genauso wie außer­halb gehört dies inner­halb der Uni­ver­si­tät zur tag­täg­li­chen Rea­li­tät für viele Men­schen.
Doch auch die Uni­ver­si­tät als Insti­tu­tion kann sich nicht von ras­sis­ti­schen Ten­den­zen los­spre­chen, ist sie doch Teil der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik. Und nach die­ser heißt es täg­lich „Die guten ins Töpf­chen, die schlech­ten ins Kröpf­chen“. Wäh­rend inter­na­tio­nale Stu­die­rende, auf­grund ihrer Qua­li­fi­ka­tion, also durch­aus gern gese­hen sind, sind viele Men­schen die aus ver­schie­dens­ten Grün­den nach Deutsch­land kom­men, jedoch nicht stu­die­ren und kei­nen Arbeits­platz fin­den oder keine Arbeits­er­laub­nis bekom­men, von Abschie­bung bedroht. Doch auch wenn die Hür­den der Aufenthalts-, sowie Arbeits­er­laub­nis genom­men sind, hört die Dis­kri­mi­nie­rung kei­nes­wegs auf.
Neben die­sen abwer­ten­den ras­sis­ti­schen Mecha­nis­men ist jedoch auch posi­ti­ver Ras­sis­mus zu betrach­ten. Sind es soge­nannte mul­ti­kul­tu­relle Koch­abende oder Vor­stel­lungs­abende „frem­der Kul­tu­ren“: Sie sind meist der­art ange­legt, dass sie die Kon­struk­tion homo­ge­ner Kol­lek­tive, min­des­tens, nahe­le­gen. Dabei wird jedoch aus­ge­blen­det dass natio­nale und kul­tu­relle Kol­lek­tive kon­stru­iert sind und jeg­li­cher Grund­lage, außer der, dass die ihnen ange­hö­ri­gen Men­schen zufäl­lig am sel­ben Ort leben oder zeit­weise leb­ten, ent­beh­ren. Auch diese Ver­ein­heit­li­chun­gen sind all­täg­li­che ras­sis­ti­sche Mecha­nis­men, die jedoch auf­grund der posi­ti­ven Beset­zung oft über­se­hen wer­den.
Die gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren und Mecha­nis­men gehö­ren zum Kern des For­schungs­ge­gen­stands der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten. Daher stel­len wir uns nicht nur den inner-universitären insti­tu­tio­nel­len und (laten­ten) all­täg­li­chen Ras­sis­men ent­ge­gen. Ras­sis­men kön­nen nicht von ihrem gesamt-gesellschaftlichen Kon­text los­ge­löst wer­den und müs­sen daher auch gesamt-gesellschaftlich bekämpft werden.

Natio­na­lis­mus

Spä­tes­tens mit der WM 2006 in Deutsch­land sind so ziem­li­che alle dem natio­na­len Hype ver­fal­len. War es vor­her noch üblich, dass zumin­dest bis ins poli­tisch links­li­be­rale Lager noch leise Zwei­fel an einer allzu über­schwäng­li­chen Iden­ti­fi­ka­tion mit der „eige­nen“ Nation geäu­ßert wur­den, so steht man heut­zu­tage als Kri­ti­ker des natio­na­len Zwangs­zu­sam­men­hangs als Son­der­ling allein auf wei­ter Flur. Auch in den uni­ver­si­tä­ren All­tag hat die­ses Phä­no­men mitt­ler­weile Ein­zug gehal­ten. Kon­ser­va­tive ASten, die 5-stellige Sum­men für Public View­ing Ver­an­stal­tun­gen ver­un­treuen, Über­tra­gun­gen von Spie­len live im Audi­max dei­ner Uni­ver­si­tät usw.
Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem natio­na­lis­ti­schen Spek­ta­kel ist zur­zeit weder gewünscht, noch erscheint sie dem deut­schen Michel nötig.
Als „Auf­ar­bei­tungs­welt­meis­ter“ habe man die Ver­gan­gen­heit erfolg­reich ver­ar­bei­tet und zwei Dik­ta­tu­ren über­stan­den, nun dürfe man doch end­lich mal wie­der nach vorne schauen und sich ganz unge­zwun­gen zu sei­ner Nation beken­nen.
Aber auch abseits einer mehr als zwei­fel­haf­ten Ver­ar­bei­tung des Natio­nal­so­zia­lis­mus, sowie der heut­zu­tage immer wie­der anzu­tref­fen­den Rela­ti­vie­rung des NS durch die Gleich­set­zung mit der DDR, gibt es genug am Kon­strukt der Nation zu kri­ti­sie­ren.
Der Zusam­men­schluss von Men­schen inner­halb einer Nation wird uns heut­zu­tage als etwas Natur­ge­ge­be­nes prä­sen­tiert, etwas unaus­weich­li­chem, wel­chem man qua Geburt ange­hört oder – in der moder­ne­ren Vari­ante – etwas ebenso unaus­weich­li­chem, näm­lich der Zusam­men­schluss durch eine ver­meint­lich gemein­same Kul­tur. Der his­to­ri­sche Pro­zess, wel­cher dazu geführt hat, dass man sich heut­zu­tage als ver­meint­li­che „Deut­sche“ bezeich­nen kann, wird dabei aus den Augen ver­lo­ren und am Ende kommt Ideo­lo­gie raus – eine Natu­ra­li­sie­rung von etwas zutiefst gesell­schaft­li­chen.
Sobald diese Ideo­lo­gie staat­lich gerinnt und somit prak­ti­sche Form annimmt, sind die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen für alle, die nicht zur deut­schen Nation gezählt wer­den, augen­schein­lich. Ras­sis­ti­sche Son­der­ge­setze, tau­sende Tote jedes Jahr an den Außen­gren­zen der EU usw.

Kapi­ta­lis­mus

Die neo­li­be­rale Umge­stal­tung der bür­ger­li­chen Gesell­schaft macht auch vor den Hoch­schu­len nicht halt. Wis­sen­schaft­li­che For­schung, auch sozi­al­wis­sen­schaft­li­che wird anhand ihres Nut­zens für die wirt­schaft­li­che und tech­ni­sche Inno­va­tion bewer­tet, wel­che im Rah­men der der­zei­ti­gen Gesell­schafts­ord­nung ledig­lich eins bedeu­tet: Die Mög­lich­keit aus den For­schungs­er­geb­nis­sen Pro­fit zu zie­hen. Auch die uni­ver­si­täre Lehre wird unter die­ser Prä­misse umge­stal­tet. Eigen­stän­di­ges Denk­ver­mö­gen ist nicht mehr erwünscht, statt­des­sen wird kano­ni­sier­ter Lehr­in­halt ver­mit­telt, der einen auf eine spä­tere Berufs­kar­riere vor­be­rei­ten soll. Der moder­nen Uni­ver­si­tät kommt letzt­lich die Auf­gabe zu Fachidiot_innen für die freie Wirt­schaft zu pro­du­zie­ren.
In unse­rem Fach­be­reich hat sich eine der­ar­tige Ent­wick­lung schon voll­zo­gen. Gegen den Pro­test zahl­rei­cher Stu­die­ren­der, Beschlüsse der stu­den­ti­schen Voll­ver­samm­lung, sowie inter­na­tio­na­ler Soli­da­ri­sie­rung von zahl­rei­chen Dozie­ren­den wur­den bei uns am Insti­tut sowohl die Gen­der Stu­dies, als auch die Sozi­al­psy­cho­lo­gie als eigen­stän­di­ger Fach­be­reich abge­schafft und statt­des­sen durch einen von nie­man­dem gewünsch­ten Bereich Bil­dungs­so­zio­lo­gie ersetzt, wel­cher letzt­lich als Zulie­fe­rer von Human­ka­pi­tal für Pri­vat­un­ter­neh­men dient.
Im Rah­men des Bil­dungs­streiks 2009 und zahl­rei­cher ande­rer Bil­dungs­pro­teste wurde diese Ent­wick­lung viel­fach kri­ti­siert. Wir dis­tan­zie­ren uns dabei aller­dings von einer allzu sim­plen Betrach­tung des Gegen­stands, wel­che sich roman­tisch ver­klä­rend auf ein ver­meint­lich frü­her exis­tie­ren­des (hum­boldt­sches) Bil­dungs­ideal bezieht oder durch blo­ßen Refor­mis­mus iso­liert von der gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung ver­sucht, diese Aus­wüchse des Kapi­ta­lis­mus zu bekämp­fen. Bil­dung, auch uni­ver­si­täre, ist nicht iso­liert von der rest­li­chen Gesell­schaft zu betrach­ten. Im Kapi­ta­lis­mus erfüllt Bil­dung pri­mär den Zweck der Selek­tion. An den Fleisch­töp­fen der Gesell­schaft ist nicht für alle Platz, des­halb wird mög­lichst früh – in Deutsch­land meist schon nach 4 Jah­ren Grund­schule – selek­tiert und die Ver­lie­rer in die­sem Sys­tem gebrand­markt. Die Umge­stal­tung der Hoch­schul­land­schaft und die Umstel­lung auf das Bachelor/Master Sys­tem im Zuge der Bologna-Reform erfül­len dabei, neben ande­ren, logisch den Zweck der Selek­tion. Sollte man es trotz­dem schaf­fen und der letzte Schein nicht der Taxisch­ein sein, beginnt das Hauen und Ste­chen in der Kon­kur­renz um Arbeits­plätze, in wel­chen wir uns – sofern wir nicht als Hartz-IV Bezie­her in der Reser­ve­ar­mee des Kapi­tals lan­den – tag­ein, tag­aus unter stän­dig schlech­ter wer­den­den Arbeits­be­din­gun­gen aus­beu­ten las­sen dür­fen. Für uns stellt dies keine Per­spek­tive dar.
Der Kapi­ta­lis­mus ist nicht das Ende der Geschichte und als Sozialwissenschaftler_innen soll­ten wir einen kri­ti­schen Blick auf die gesell­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, inner­halb derer wir unsere uni­ver­si­täre Aus­bil­dung »genie­ßen« dür­fen, beibehalten.

„All toge­ther now“

Die von uns ange­führ­ten gesell­schaft­li­chen Unter­drü­ckungs­ver­hält­nisse sind dabei lei­der nicht sau­ber von­ein­an­der zu tren­nen. Sie ver­stär­ken sich gegen­sei­tig, schwä­chen sich teil­weise ab und wider­spre­chen sich häu­fig auch noch. Für eine adäquate Kri­tik der­sel­ben muss man des­halb auch die Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen den Unter­drü­ckungs­ver­hält­nis­sen beach­ten. Als zen­trale Ana­ly­se­ka­te­go­rien erschei­nen uns dabei „race, class, gen­der“, die soge­nannte Tripple Opp­res­sion, also die Unter­drü­ckung auf­grund eth­ni­scher, klas­sen­spe­zi­fi­scher und geschlecht­li­cher Zugehörigkeit.

Stu­di­en­ge­büh­ren

Wäh­rend sich immer mehr andere Bun­des­län­der von dem Modell der Stu­di­en­ge­büh­ren ver­ab­schie­den, behält Nie­der­sach­sen diese nicht nur bei, son­dern beu­telt seine Stu­die­ren­den gleich mit dem Höchst­bei­trag von 500€ im Semes­ter. Selbst unter den Stu­di­en­stand­or­ten mit Gebüh­ren stellt Han­no­ver dadurch und mit sei­nem zusätz­li­chen, hohen Semes­ter­bei­trag eine Aus­nahme dar. So kommt selbst für Stu­die­rende in der Regel­stu­di­en­zeit ein Betrag von knapp über 800€ pro Semes­ter zustande. Wer es wagt, län­ger zu stu­die­ren, zum Bei­spiel weil er_sie sich die Zeit neh­men möchte in Ruhe Schwer­punkte zu ver­tie­fen statt durchs Bache­lor­sys­tem zu het­zen oder neben­bei ande­ren Ver­pflich­tun­gen nach­kommt und sich bspw. Hoch­schul­po­li­tisch enga­giert oder sei­nen Unter­halt ver­die­nen muss, wird wei­ter abge­straft.
Stu­di­en­ge­büh­ren wur­den und wer­den zu Recht viel­fach kri­ti­siert. Auch wenn Zahl der Stu­die­ren­den ins­ge­samt nicht zurück­geht, so ist abzu­se­hen, dass beson­ders Frauen und Kin­der wenig gut betuch­ter Eltern dar­un­ter lei­den und vom Stu­die­ren abge­schreckt wer­den. Wir wol­len keine Eli­ten­bil­dung an Hoch­schule, kein Stu­dium nur für Kin­der rei­cher Eltern oder sol­che, die es trotz der Unsi­cher­hei­ten wagen, Kre­dite auf­zu­neh­men oder einen Neben-, Zweit– oder Dritt­job anzu­neh­men. Bil­dung muss eine freie Res­source sein, deren Zugang eine reine Selbst­ver­ständ­lich­keit dar­stellt. Zudem spre­chen wir uns gegen die ent­ste­hende finan­zi­elle Belas­tung aus, die viele Stu­die­rende zwingt, sich noch wei­ter auf Neben­jobs zu kon­zen­trie­ren, statt auf ihr Stu­dium. Zusätz­lich sehen wir als Stu­die­rende keine Fort­schritte durch die Stu­di­en­ge­büh­ren. Auch wenn wir beheizte Räume und Tuto­rien begrü­ßen und auch gegen Reno­vie­run­gen nichts ein­zu­wen­den haben, sofern sie nicht grobe Zer­stö­run­gen von Bil­dern wie im Schnei­der­berg ein­schlie­ßen, sehen wir keine prak­ti­sche Ver­bes­se­rung des Stu­di­en­all­tags, die ent­we­der zwin­gend nötig oder nicht auch ohne Stu­di­en­ge­büh­ren zu stem­men wäre. Ganz im Gegen­teil – viele Miss­stände blei­ben und die Stu­die­ren­den wer­den wei­ter zur Kasse gebe­ten. So wer­den wei­ter­hin grund­le­gende Ent­schei­dun­gen über die Köpfe der Stu­die­ren­den hin­weg getrof­fen, keine attrak­ti­ven Mas­ter­plätze geschaf­fen, wei­ter­hin in völ­lig über­füll­ten Räu­men gelehrt, all­ge­mei­nes Abwi­ckeln ist an der Tages­ord­nung und auch laut und deut­lich geäu­ßerte For­de­run­gen wie die nach dem Erhal­ten der Schwer­punkte wie Gen­der Stu­dies und Sozi­al­psy­cho­lo­gie wer­den über­hört. Dies zeigt die Absur­di­tät von Stu­di­en­ge­büh­ren und ver­weist auch die Behaup­tung von Vor­tei­len für die Stu­die­ren­den auf ihren Platz. Auch wenn unser Uni­ver­si­täts­prä­si­dent ver­kraf­ten kann, wenn Men­schen sich auf­grund der Stu­di­en­ge­büh­ren gegen ein Stu­dium (hier) ent­schei­den und nicht glau­ben kann, dass Stu­die­rende durch Arbeit, Stu­dium und Enga­ge­ment auch ohne diese genug zu bewäl­ti­gen haben: Stu­di­en­ge­büh­ren stel­len eine nicht hin­zu­neh­mende Belas­tung dar, die wir nicht akzep­tie­ren. Die Fach­schaft spricht sich daher nicht nur gegen Stu­di­en­ge­büh­ren aus, son­dern betei­ligt sich auch nicht an Dis­kus­sion um die Ver­tei­lung von Studiengebühren.

Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen

Die basis­de­mo­kra­ti­sche Fach­schaft Sozi­al­wis­sen­schaf­ten lehnt jeg­li­che Art von Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen ab. Dies liegt unter Ande­rem in der hier­ar­chi­schen Struk­tur der Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen begrün­det, die mit unse­rem basis­de­mo­kra­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis unver­ein­bar ist. Bei Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen han­delt es sich um stu­den­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen mit abge­stuf­ter Mit­glied­schaft (vom Fux zum Alten Her­ren) in denen hier­ar­chi­sche und auto­ri­täre Struk­tu­ren und ein Sys­tem von Befehl und Gehor­sam vor­herr­schen. Ver­hal­tens­wei­sen müs­sen erlernt und strenge Regeln ein­ge­hal­ten wer­den, die Teil­nahme an Fei­er­ri­tua­len bei­spiels­weise ist ver­pflich­tend. Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen beru­fen sich auf völ­lig über­kom­mene Tra­di­tio­nen.
Wei­ter­hin herrscht in Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen ein Lebens­bund­prin­zip vor, wer ein­mal ein­ge­tre­ten ist bleibt für immer Mit­glied. Die in der Arbeits­welt ste­hen­den Älte­ren finan­zie­ren und pro­te­gie­ren die Jün­ge­ren. So ent­stan­den Seil­schaf­ten in denen durch Ver­bin­dun­gen Vor­teile bei­spiels­weise in der Arbeits­welt für Mit­glie­der einer Stu­den­ten­ver­bin­dung beste­hen. Diese Pos­ten­scha­che­rei beför­dert das Selbst­bild der Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen eine „aka­de­mi­sche Elite“ dar­zu­stel­len. Die­ses eli­täre Selbst­bild und die eigene Auf­wer­tung führt dem­ent­spre­chend auto­ma­tisch zur Abwer­tung und Aus­gren­zung gegen­über nicht inklu­dier­ten Per­so­nen, wel­chen der Zugang struk­tu­rell ver­wei­gert wird.
Obwohl es mitt­ler­weile auch Ver­bin­dun­gen gibt, die Frauen als Mit­glie­der auf­neh­men oder auch reine Frau­en­ver­bin­dun­gen sind sie doch zumeist in Ver­bin­dun­gen ver­bo­ten, dies wird durch die His­to­rie begrün­det und ent­behrt heute jeg­li­cher Grund­lage. Frauen ist es unter­sagt das Haus einer Ver­bin­dung zu betre­ten, sie gel­ten in der Regel als schmü­cken­des Bei­werk, die auf dem Haus nur zu bestimm­ten Anläs­sen anwe­send sein dür­fen.
Des Wei­te­ren ist die Mit­glied­schaft für aus­län­di­sche Stu­die­rende in Tei­len der Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen eben­falls ver­bo­ten. Als „aus­län­disch“ wird hier­bei jedoch nicht nur nach Staats­bür­ger­schaft selek­tiert, son­dern es liegt eine völ­ki­sche Ideo­lo­gie zu Grunde. So ist die Mit­glied­schaft von Men­schen, die nicht per Defi­ni­tion der Ver­bin­dung „dem deut­schen Volk“ oder „der deut­schen Rasse“ ange­hö­ren, ver­bo­ten. Wei­tere Aus­schluss­kri­te­rien kön­nen die Ver­wei­ge­rung des Wehr­diens­tes, die nicht Ange­hö­rig­keit der katho­li­schen Kir­che sowie Homo­se­xua­li­tät dar­stel­len. Es wer­den also bestimmt Per­so­nen­grup­pen struk­tu­rell von Posi­tio­nen aus­ge­schlos­sen.
Im Extrem­fall die­nen man­che Bur­schen­schaf­ten als Schnitt­stelle zu rechts­ra­di­ka­len Orga­ni­sa­tio­nen. Sie stel­len die­sen bei­spiels­weise Räume und Publi­kum für Vor­träge zur Ver­fü­gung und sind zum Teil selbst in der rech­ten Szene aktiv.
Nicht alle Ver­bin­dun­gen las­sen sich mit der rech­ten Szene in Ver­bin­dung brin­gen und auch die Aus­schluss­me­cha­nis­men sind nicht über­all gleich, den­noch ist ein eli­tä­res Selbst­bild, tra­dierte Geschlech­ter­kli­schees sowie Auto­ri­ta­ris­mus schon in der Struk­tur des Ver­bin­dungs­sys­tems ange­legt. Ein Sys­tem in dem gerade junge Men­schen nicht zum selbst­stän­di­gen Den­ken ani­miert wer­den, son­dern die Anpas­sung in ein Sys­tem von ver­al­te­ten Tra­di­tio­nen erler­nen hat unse­rer Mei­nung nach an der Uni nichts zu suchen.
Das Aus­nut­zen der oft schlech­ten finan­zi­el­len Situa­tion vie­ler Stu­die­ren­der durch das Ange­bot bspw. ver­güns­tig­ter Wohn­ge­le­gen­hei­ten sei­tens der Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen, um Stu­die­rende als Mit­glie­der anzu­lo­cken, die über die Struk­tur der Ver­bin­dun­gen nicht Bescheid wis­sen, stellt eine zusätz­li­che Dreis­tig­keit dar, die wir missbilligen.

Das tun wir:

Die Fach­schafts­ar­beit soll ent­lang unse­rer Über­zeu­gung ablau­fen. Wir möch­ten die Fach­schaft als dis­kri­mi­nie­rungs­freien Raum gestal­ten. Dies bedeu­tet für uns, dass wir sowohl Ver­an­stal­tun­gen unter­stüt­zen, die sich gegen Ras­sis­mus, Sexis­mus und Natio­na­lis­mus stel­len, als auch unsere Fach­schafts­ar­beit nach die­sen Vor­stel­lun­gen gestal­ten. Wir möch­ten gleich­be­rech­tig­tes poli­ti­sches Arbei­ten, unab­hän­gig von Geschlecht, Lebens­weise und Her­kunft, mög­lich machen. Wir stel­len uns in unse­rer Fach­schafts­ar­beit deut­lich gegen Stu­di­en­ge­büh­ren, indem wir uns nicht an der Ver­tei­lung die­ser betei­li­gen. Sie ver­schlie­ßen vie­len den Zugang zur Bil­dung und Stu­die­ren­den bei­spiels­weise die Mög­lich­keit, sich neben dem Ler­nen und Arbei­ten noch zu enga­gie­ren. Im Gegen­satz zu der uni­ver­si­tä­ren Ver­wer­tungs­lo­gik, die immer mehr ihrer Mei­nung nach auf dem Arbeits­markt nicht gefrag­ten Stu­di­en­gänge ein­schränkt oder gleich abschafft, set­zen wir uns im Sinne unse­res Stu­di­en­fa­ches für den Erhalt der Sozi­al­psy­cho­lo­gie und der Gen­der Stu­dies ein.

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