Selbstverständnis

Die Fachschaft

Wir sind die Fachschaft der sozialwissenschaftlichen Fächer der Philosophischen Fakultät der Universität Hannover. Die Fachschaft wird durch alle Studierenden einer Fakultät gebildet und kann sich nach eigenem Ermessen in Fachschaften und Fachgruppen aufteilen. Die (aktive) Fachschaft trifft sich in der Vorlesungszeit wöchentlich zu den offenen Fachschaftssitzungen, an denen jeder Studierende teilnehmen kann – die aktuellen Termine erfahrt ihr auf unserer Website. Gewählte und nicht gewählte Mitglieder haben gleiche Rechte. Insofern entsprechen Fachschafts(rats)sitzungen dem basisdemokratischen Prinzip nach Fachschafts-Vollversammlungen. Unsere wesentlichen Aufgaben sind: die Beratung von Studierenden, die jeweils zu Beginn des Wintersemesters stattfindende Einführungswoche, die Besetzung der verschiedenen Gremien, wie dem Studentischen Rat, der Studienkommission, den Institutskonferenzen, um dort die Interessen der Studierendenschaft zu vertreten. Die Fachschaft versteht sich als basisdemokratisch. Die Basis meint hier alle Studierenden der Universität Hannover, organisiert in Fachschaften bzw. -gruppen. Sie vertritt mit einem imperativen Mandat die von der Basis getroffenen Beschlüsse, welche wiederum in den offenen Sitzungen erzielt werden. Abstimmungen sind hierbei nicht das Mittel der Meinungsfindung, stattdessen soll Konsens durch Austausch und Diskussion erreicht werden.
Die aktiven Fachschafter_innen sind der Basis rechenschaftspflichtig und tragen die Ergebnisse ihrer Arbeit nach außen, um somit notwendige Transparenz herzustellen. Dies geschieht durch Aushänge und Bekanntmachungen am Fachschaftsbrett, unsere Website und unseren Mailverteiler. Natürlich sind alle Ordner in Raum V 109, dem Fachschafts- oder Peter Brückner Raum frei einzusehen, aber dennoch soll es jedem möglich sein, schon im Vorbeigehen einen kleinen Einblick gewinnen zu können. Wichtig ist es, weitere Studierende für die aktive Mitarbeit zu gewinnen. Es geht dabei nicht darum, gleich die gesamte hochschulpolitische Landschaft zu durchschauen oder sich möglichst viel Arbeit aufzuhalsen. Einmal unverbindlich auf einer Sitzung vorbeizuschauen ist jederzeit möglich, um sich so ein genaueres Bild zu machen. Und je mehr sich beteiligen, desto weniger Arbeit ist es für jede_n einzelne_n; und desto mehr können wir bewegen. Wir sehen uns darüber hinaus als politische Fachschaft die auch außerhalb der Hochschulpolitik agiert. Daher wollen wir im folgenden unsere Standpunkte darstellen.

Sexismus

Die Fachschaft kritisiert die Reduzierung auf das Zwei-Geschlechter-Modell und die Zuschreibung von Einstellung und Eigenschaften. Wir wollen nicht anhand eines zugewiesenen Geschlechts mit Klischees und Stereotypen charakterisiert werden und wehren uns gegen solche Vorverurteilung und Beurteilungen von Personen danach, wie adäquat sie in Geschlechterrollen passen. Wir sprechen uns gegen Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit als Norm aus, welche andere Lebensweisen unsichtbar macht und verurteilen jegliche Form von Homophobie. Da wir uns, ebenso wenig wie jede_r andere, nicht diesen Kategorisierungen entziehen können, wollen wir daher ein diskriminierungsfreies Miteinander und Studieren an der Hochschule, in welcher niemand aufgrund seiner Lebensweise oder seines Geschlechts benachteiligt wird. Wir fordern daher eine gleiche Beteiligungsmöglichkeit für Frauen an Forschung, Lehre und Hochschulpolitik und wehren uns gegen strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Uni und anderswo. In diesem Zusammenhang bedauert und verurteilt die Fachschaft die Abschaffung der Gender Studies am Institut für Soziologie in Hannover. Wir erachten diese für Studierende sozialwissenschaftlicher Fächer als grundlegend, um ein Verständnis von Gesellschaft und sozialem Miteinander zu erlangen. Wir kritisieren, dass uns die Möglichkeit der intensiven und fokussierten Auseinandersetzung mit Gender Studies-Themen genommen wurde. Wir befürchten ohne diesen Schwerpunkt eine Abnahme dieser Studieninhalte und sehen uns in dieser Befürchtung durch das Angebot der Uni Veranstaltungen bestätigt. Wir stimmen der Auffassung, dass in vielen Bereichen Geschlechteraspekte berücksichtigt werden sollten, zwar zu, glauben aber, dass Geschlecht ohne eigenen Schwerpunkt lediglich zu einer Variable unter vielen, wenn überhaupt beachtet, wird, statt die Aufmerksamkeit zu bekommen, die die Relevanz des Themas erfordert und die qualifizierten Dozierenden, die es braucht. Wir fordern daher eine Wiedereinführung der Gender Studies und Verankerung in den Studiengängen.

Rassismus

Rassistische Positionen existieren in dieser Gesellschaft keineswegs nur am politischen rechten Rand, sondern sind bis weit in die Mitte der Gesellschaft vertreten. Dass dies an Universitäten, angesichts von Studierendenaustauschprogrammen, anders sei ist ein Trugschluss. Nur weil man selten von rassistischer Ausgrenzung oder gar Übergriffen an der Universität erfährt, heißt dies keineswegs dass es nicht passiert. Genauso wie außerhalb gehört dies innerhalb der Universität zur tagtäglichen Realität für viele Menschen.
Doch auch die Universität als Institution kann sich nicht von rassistischen Tendenzen lossprechen, ist sie doch Teil der kapitalistischen Verwertungslogik. Und nach dieser heißt es täglich „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“. Während internationale Studierende, aufgrund ihrer Qualifikation, also durchaus gern gesehen sind, sind viele Menschen die aus verschiedensten Gründen nach Deutschland kommen, jedoch nicht studieren und keinen Arbeitsplatz finden oder keine Arbeitserlaubnis bekommen, von Abschiebung bedroht. Doch auch wenn die Hürden der Aufenthalts-, sowie Arbeitserlaubnis genommen sind, hört die Diskriminierung keineswegs auf.
Neben diesen abwertenden rassistischen Mechanismen ist jedoch auch positiver Rassismus zu betrachten. Sind es sogenannte multikulturelle Kochabende oder Vorstellungsabende „fremder Kulturen“: Sie sind meist derart angelegt, dass sie die Konstruktion homogener Kollektive, mindestens, nahelegen. Dabei wird jedoch ausgeblendet dass nationale und kulturelle Kollektive konstruiert sind und jeglicher Grundlage, außer der, dass die ihnen angehörigen Menschen zufällig am selben Ort leben oder zeitweise lebten, entbehren. Auch diese Vereinheitlichungen sind alltägliche rassistische Mechanismen, die jedoch aufgrund der positiven Besetzung oft übersehen werden.
Die gesellschaftlichen Strukturen und Mechanismen gehören zum Kern des Forschungsgegenstands der Sozialwissenschaften. Daher stellen wir uns nicht nur den inner-universitären institutionellen und (latenten) alltäglichen Rassismen entgegen. Rassismen können nicht von ihrem gesamt-gesellschaftlichen Kontext losgelöst werden und müssen daher auch gesamt-gesellschaftlich bekämpft werden.

Nationalismus

Spätestens mit der WM 2006 in Deutschland sind so ziemliche alle dem nationalen Hype verfallen. War es vorher noch üblich, dass zumindest bis ins politisch linksliberale Lager noch leise Zweifel an einer allzu überschwänglichen Identifikation mit der „eigenen“ Nation geäußert wurden, so steht man heutzutage als Kritiker des nationalen Zwangszusammenhangs als Sonderling allein auf weiter Flur. Auch in den universitären Alltag hat dieses Phänomen mittlerweile Einzug gehalten. Konservative ASten, die 5-stellige Summen für Public Viewing Veranstaltungen veruntreuen, Übertragungen von Spielen live im Audimax deiner Universität usw.
Eine kritische Auseinandersetzung mit dem nationalistischen Spektakel ist zurzeit weder gewünscht, noch erscheint sie dem deutschen Michel nötig.
Als „Aufarbeitungsweltmeister“ habe man die Vergangenheit erfolgreich verarbeitet und zwei Diktaturen überstanden, nun dürfe man doch endlich mal wieder nach vorne schauen und sich ganz ungezwungen zu seiner Nation bekennen.
Aber auch abseits einer mehr als zweifelhaften Verarbeitung des Nationalsozialismus, sowie der heutzutage immer wieder anzutreffenden Relativierung des NS durch die Gleichsetzung mit der DDR, gibt es genug am Konstrukt der Nation zu kritisieren.
Der Zusammenschluss von Menschen innerhalb einer Nation wird uns heutzutage als etwas Naturgegebenes präsentiert, etwas unausweichlichem, welchem man qua Geburt angehört oder – in der moderneren Variante – etwas ebenso unausweichlichem, nämlich der Zusammenschluss durch eine vermeintlich gemeinsame Kultur. Der historische Prozess, welcher dazu geführt hat, dass man sich heutzutage als vermeintliche „Deutsche“ bezeichnen kann, wird dabei aus den Augen verloren und am Ende kommt Ideologie raus – eine Naturalisierung von etwas zutiefst gesellschaftlichen.
Sobald diese Ideologie staatlich gerinnt und somit praktische Form annimmt, sind die negativen Auswirkungen für alle, die nicht zur deutschen Nation gezählt werden, augenscheinlich. Rassistische Sondergesetze, tausende Tote jedes Jahr an den Außengrenzen der EU usw.

Kapitalismus

Die neoliberale Umgestaltung der bürgerlichen Gesellschaft macht auch vor den Hochschulen nicht halt. Wissenschaftliche Forschung, auch sozialwissenschaftliche wird anhand ihres Nutzens für die wirtschaftliche und technische Innovation bewertet, welche im Rahmen der derzeitigen Gesellschaftsordnung lediglich eins bedeutet: Die Möglichkeit aus den Forschungsergebnissen Profit zu ziehen. Auch die universitäre Lehre wird unter dieser Prämisse umgestaltet. Eigenständiges Denkvermögen ist nicht mehr erwünscht, stattdessen wird kanonisierter Lehrinhalt vermittelt, der einen auf eine spätere Berufskarriere vorbereiten soll. Der modernen Universität kommt letztlich die Aufgabe zu Fachidiot_innen für die freie Wirtschaft zu produzieren.
In unserem Fachbereich hat sich eine derartige Entwicklung schon vollzogen. Gegen den Protest zahlreicher Studierender, Beschlüsse der studentischen Vollversammlung, sowie internationaler Solidarisierung von zahlreichen Dozierenden wurden bei uns am Institut sowohl die Gender Studies, als auch die Sozialpsychologie als eigenständiger Fachbereich abgeschafft und stattdessen durch einen von niemandem gewünschten Bereich Bildungssoziologie ersetzt, welcher letztlich als Zulieferer von Humankapital für Privatunternehmen dient.
Im Rahmen des Bildungsstreiks 2009 und zahlreicher anderer Bildungsproteste wurde diese Entwicklung vielfach kritisiert. Wir distanzieren uns dabei allerdings von einer allzu simplen Betrachtung des Gegenstands, welche sich romantisch verklärend auf ein vermeintlich früher existierendes (humboldtsches) Bildungsideal bezieht oder durch bloßen Reformismus isoliert von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung versucht, diese Auswüchse des Kapitalismus zu bekämpfen. Bildung, auch universitäre, ist nicht isoliert von der restlichen Gesellschaft zu betrachten. Im Kapitalismus erfüllt Bildung primär den Zweck der Selektion. An den Fleischtöpfen der Gesellschaft ist nicht für alle Platz, deshalb wird möglichst früh – in Deutschland meist schon nach 4 Jahren Grundschule – selektiert und die Verlierer in diesem System gebrandmarkt. Die Umgestaltung der Hochschullandschaft und die Umstellung auf das Bachelor/Master System im Zuge der Bologna-Reform erfüllen dabei, neben anderen, logisch den Zweck der Selektion. Sollte man es trotzdem schaffen und der letzte Schein nicht der Taxischein sein, beginnt das Hauen und Stechen in der Konkurrenz um Arbeitsplätze, in welchen wir uns – sofern wir nicht als Hartz-IV Bezieher in der Reservearmee des Kapitals landen – tagein, tagaus unter ständig schlechter werdenden Arbeitsbedingungen ausbeuten lassen dürfen. Für uns stellt dies keine Perspektive dar.
Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte und als Sozialwissenschaftler_innen sollten wir einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, innerhalb derer wir unsere universitäre Ausbildung »genießen« dürfen, beibehalten.

„All together now“

Die von uns angeführten gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnisse sind dabei leider nicht sauber voneinander zu trennen. Sie verstärken sich gegenseitig, schwächen sich teilweise ab und widersprechen sich häufig auch noch. Für eine adäquate Kritik derselben muss man deshalb auch die Wechselwirkungen zwischen den Unterdrückungsverhältnissen beachten. Als zentrale Analysekategorien erscheinen uns dabei „race, class, gender“, die sogenannte Tripple Oppression, also die Unterdrückung aufgrund ethnischer, klassenspezifischer und geschlechtlicher Zugehörigkeit.

Studiengebühren

Während sich immer mehr andere Bundesländer von dem Modell der Studiengebühren verabschieden, behält Niedersachsen diese nicht nur bei, sondern beutelt seine Studierenden gleich mit dem Höchstbeitrag von 500€ im Semester. Selbst unter den Studienstandorten mit Gebühren stellt Hannover dadurch und mit seinem zusätzlichen, hohen Semesterbeitrag eine Ausnahme dar. So kommt selbst für Studierende in der Regelstudienzeit ein Betrag von knapp über 800€ pro Semester zustande. Wer es wagt, länger zu studieren, zum Beispiel weil er_sie sich die Zeit nehmen möchte in Ruhe Schwerpunkte zu vertiefen statt durchs Bachelorsystem zu hetzen oder nebenbei anderen Verpflichtungen nachkommt und sich bspw. Hochschulpolitisch engagiert oder seinen Unterhalt verdienen muss, wird weiter abgestraft.
Studiengebühren wurden und werden zu Recht vielfach kritisiert. Auch wenn Zahl der Studierenden insgesamt nicht zurückgeht, so ist abzusehen, dass besonders Frauen und Kinder wenig gut betuchter Eltern darunter leiden und vom Studieren abgeschreckt werden. Wir wollen keine Elitenbildung an Hochschule, kein Studium nur für Kinder reicher Eltern oder solche, die es trotz der Unsicherheiten wagen, Kredite aufzunehmen oder einen Neben-, Zweit- oder Drittjob anzunehmen. Bildung muss eine freie Ressource sein, deren Zugang eine reine Selbstverständlichkeit darstellt. Zudem sprechen wir uns gegen die entstehende finanzielle Belastung aus, die viele Studierende zwingt, sich noch weiter auf Nebenjobs zu konzentrieren, statt auf ihr Studium. Zusätzlich sehen wir als Studierende keine Fortschritte durch die Studiengebühren. Auch wenn wir beheizte Räume und Tutorien begrüßen und auch gegen Renovierungen nichts einzuwenden haben, sofern sie nicht grobe Zerstörungen von Bildern wie im Schneiderberg einschließen, sehen wir keine praktische Verbesserung des Studienalltags, die entweder zwingend nötig oder nicht auch ohne Studiengebühren zu stemmen wäre. Ganz im Gegenteil – viele Missstände bleiben und die Studierenden werden weiter zur Kasse gebeten. So werden weiterhin grundlegende Entscheidungen über die Köpfe der Studierenden hinweg getroffen, keine attraktiven Masterplätze geschaffen, weiterhin in völlig überfüllten Räumen gelehrt, allgemeines Abwickeln ist an der Tagesordnung und auch laut und deutlich geäußerte Forderungen wie die nach dem Erhalten der Schwerpunkte wie Gender Studies und Sozialpsychologie werden überhört. Dies zeigt die Absurdität von Studiengebühren und verweist auch die Behauptung von Vorteilen für die Studierenden auf ihren Platz. Auch wenn unser Universitätspräsident verkraften kann, wenn Menschen sich aufgrund der Studiengebühren gegen ein Studium (hier) entscheiden und nicht glauben kann, dass Studierende durch Arbeit, Studium und Engagement auch ohne diese genug zu bewältigen haben: Studiengebühren stellen eine nicht hinzunehmende Belastung dar, die wir nicht akzeptieren. Die Fachschaft spricht sich daher nicht nur gegen Studiengebühren aus, sondern beteiligt sich auch nicht an Diskussion um die Verteilung von Studiengebühren.

Studentenverbindungen

Die basisdemokratische Fachschaft Sozialwissenschaften lehnt jegliche Art von Studentenverbindungen ab. Dies liegt unter Anderem in der hierarchischen Struktur der Studentenverbindungen begründet, die mit unserem basisdemokratischen Selbstverständnis unvereinbar ist. Bei Studentenverbindungen handelt es sich um studentische Organisationen mit abgestufter Mitgliedschaft (vom Fux zum Alten Herren) in denen hierarchische und autoritäre Strukturen und ein System von Befehl und Gehorsam vorherrschen. Verhaltensweisen müssen erlernt und strenge Regeln eingehalten werden, die Teilnahme an Feierritualen beispielsweise ist verpflichtend. Studentenverbindungen berufen sich auf völlig überkommene Traditionen.
Weiterhin herrscht in Studentenverbindungen ein Lebensbundprinzip vor, wer einmal eingetreten ist bleibt für immer Mitglied. Die in der Arbeitswelt stehenden Älteren finanzieren und protegieren die Jüngeren. So entstanden Seilschaften in denen durch Verbindungen Vorteile beispielsweise in der Arbeitswelt für Mitglieder einer Studentenverbindung bestehen. Diese Postenschacherei befördert das Selbstbild der Studentenverbindungen eine „akademische Elite“ darzustellen. Dieses elitäre Selbstbild und die eigene Aufwertung führt dementsprechend automatisch zur Abwertung und Ausgrenzung gegenüber nicht inkludierten Personen, welchen der Zugang strukturell verweigert wird.
Obwohl es mittlerweile auch Verbindungen gibt, die Frauen als Mitglieder aufnehmen oder auch reine Frauenverbindungen sind sie doch zumeist in Verbindungen verboten, dies wird durch die Historie begründet und entbehrt heute jeglicher Grundlage. Frauen ist es untersagt das Haus einer Verbindung zu betreten, sie gelten in der Regel als schmückendes Beiwerk, die auf dem Haus nur zu bestimmten Anlässen anwesend sein dürfen.
Des Weiteren ist die Mitgliedschaft für ausländische Studierende in Teilen der Studentenverbindungen ebenfalls verboten. Als „ausländisch“ wird hierbei jedoch nicht nur nach Staatsbürgerschaft selektiert, sondern es liegt eine völkische Ideologie zu Grunde. So ist die Mitgliedschaft von Menschen, die nicht per Definition der Verbindung „dem deutschen Volk“ oder „der deutschen Rasse“ angehören, verboten. Weitere Ausschlusskriterien können die Verweigerung des Wehrdienstes, die nicht Angehörigkeit der katholischen Kirche sowie Homosexualität darstellen. Es werden also bestimmt Personengruppen strukturell von Positionen ausgeschlossen.
Im Extremfall dienen manche Burschenschaften als Schnittstelle zu rechtsradikalen Organisationen. Sie stellen diesen beispielsweise Räume und Publikum für Vorträge zur Verfügung und sind zum Teil selbst in der rechten Szene aktiv.
Nicht alle Verbindungen lassen sich mit der rechten Szene in Verbindung bringen und auch die Ausschlussmechanismen sind nicht überall gleich, dennoch ist ein elitäres Selbstbild, tradierte Geschlechterklischees sowie Autoritarismus schon in der Struktur des Verbindungssystems angelegt. Ein System in dem gerade junge Menschen nicht zum selbstständigen Denken animiert werden, sondern die Anpassung in ein System von veralteten Traditionen erlernen hat unserer Meinung nach an der Uni nichts zu suchen.
Das Ausnutzen der oft schlechten finanziellen Situation vieler Studierender durch das Angebot bspw. vergünstigter Wohngelegenheiten seitens der Studentenverbindungen, um Studierende als Mitglieder anzulocken, die über die Struktur der Verbindungen nicht Bescheid wissen, stellt eine zusätzliche Dreistigkeit dar, die wir missbilligen.

Das tun wir:

Die Fachschaftsarbeit soll entlang unserer Überzeugung ablaufen. Wir möchten die Fachschaft als diskriminierungsfreien Raum gestalten. Dies bedeutet für uns, dass wir sowohl Veranstaltungen unterstützen, die sich gegen Rassismus, Sexismus und Nationalismus stellen, als auch unsere Fachschaftsarbeit nach diesen Vorstellungen gestalten. Wir möchten gleichberechtigtes politisches Arbeiten, unabhängig von Geschlecht, Lebensweise und Herkunft, möglich machen. Wir stellen uns in unserer Fachschaftsarbeit deutlich gegen Studiengebühren, indem wir uns nicht an der Verteilung dieser beteiligen. Sie verschließen vielen den Zugang zur Bildung und Studierenden beispielsweise die Möglichkeit, sich neben dem Lernen und Arbeiten noch zu engagieren. Im Gegensatz zu der universitären Verwertungslogik, die immer mehr ihrer Meinung nach auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragten Studiengänge einschränkt oder gleich abschafft, setzen wir uns im Sinne unseres Studienfaches für den Erhalt der Sozialpsychologie und der Gender Studies ein.

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